Digital erweiterte Projektlehre

Unter dem Begriff Projektlehre wird eine wissenschaftsbasierte und handlungsorientierte Form der Lehre verstanden, bei der sich Studierende selbständig und in Gruppen mit fachwissenschaftlichen Problemen und Fragestellung auseinandersetzen. Die/der Lehrende begleitet das Projekt und leitet die Studierenden an. Das Lehrkonzept steht für einen Paradigmenwechsel vom Lehren zum Lernen (from teaching to learning). Es reagiert damit auf die Vorgaben der Bologna-Reform nach mehr Praxisbezug im Studium und zielt auf eine verbesserte Beschäftigungsfähigkeit (Employability) der Studierenden ab.

Vor allem innerhalb der Geschichtswissenschaften wurden in den letzten Jahren zahlreiche Modelle zur Projektlehre erprobt und evaluiert. In anderen Fachdisziplinen sind solche Ansätze dagegen bislang wenig erprobt und operationalisiert.

Communities of Practice für den Bereich Projektlehre


FB 07 Historisches Seminar

Die CoP „Digital erweiterte Projektlehre“ im Fach Geschichte wird getragen von einer Gruppe erfahrener Lehrender, die im Bereich der Projektlehre bereits mit großem Engagement Neues erprobt und sich nun die Professionalisierung in diesem hochschuldidaktischen Segment zum Anliegen gemacht hat. Sie wird um Studierende erweitert. Die Teilprojekte sind von der Planungs- bis zur Auswertungsphase strukturiert verbunden, wobei die CoP besonderes Augenmerk auf steten Erfahrungsaustausch und gemeinsame Problemlösungen, Einbindung externer Expertise sowie das Management von Projektlehre legt. Ziel ist die weitere Professionalisierung der CoP als Teil eines Scholarship of Teaching and Learning in der Projektlehre sowie die curriculare Verankerung von Projektlehre.

Leitung
Prof. Dr. Jan Kusber
Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte
Homepage

Prof. Dr. Meike Hensel-Grobe
Arbeitsbereich Geschichtsdidaktik
Homepage

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen
apl. Prof. Dr. Bettina Braun
Arbeitsbereich Neuere Geschichte
Homepage

Dr. Andreas Frings
Historisches Seminar
Homepage

Dr. Andreas Linsenmann
Arbeitsbereich Zeitgeschichte
Homepage

Hilfskräfte
Laura Burzacchini

Lena Marie Sattelberger

Beschreibungen der CoP und der Pilotprojekte

Bettina Braun ist Frühneuzeithistorikerin und interessiert sich für ganz unterschiedliche Themen innerhalb dieser drei Jahrhunderte zwischen 1500 und 1800. Um die übliche Form von Seminaren mit ihrer wöchentlich wiederkehrenden Abfolge von Referaten aufzubrechen, hat sie schon vor Jahren Lehrveranstaltungen in Form von seminarinternen Tagungen durchgeführt, bei der die Studierenden alle Schritte einer Tagung selbst übernommen haben und abschließend als Referentinnen und Referenten in der in einem externen Tagungshaus durchgeführten Tagung aufgetreten sind. Eine Transformation in ein – ganz oder teilweise – digitales Format einschließlich der Erarbeitung eines digitalen Tagungsbands soll im Laufe des Projekts auf der Grundlage der in den vergangenen Semestern gewonnenen Erfahrungen angedacht werden.

Im Sommersemester 2022 soll eine andere Form digital gestützter Projektlehre ausprobiert werden. Thematisch wird es um das Schwerpunktthema des Historischen Seminars „Migration in der Geschichte“ gehen. Die Studierenden werden sich mit Mobilität von Funktionsträgern im Kurfürstentum Mainz im 18. Jahrhundert beschäftigen und mit ihrer Arbeit einen Teil zu dem gerade gestarteten Forschungsprojekt „Digitale Kartenwerkstatt Altes Reich“ (DigiKAR) beitragen, das sich der digital gestützten Erforschung und Visualisierung räumlicher Strukturen im Alten Reich widmet. Die Studierenden werden sich einer Gruppe von Funktionsträgern im Kurfürstentum Mainz zuwenden und alle Projektschritte von der Erhebung des Materials bis zur Visualisierung in einer digitalen Karte durchlaufen.

Andreas Frings ist Studienmanager und Osteuropahistoriker mit ausgeprägten Interessen an verflochtenen, grenzüberschreitenden Phänomenen. Er verfügt seit Jahren über Erfahrungen in der außercurricularen Projektlehre und ist seit Frühjahr 2020 beratendes Mitglied im Kompetenzteam Digitale Lehre.

Die Podcastreihe, die er in Form der Projektlehre im Wintersemester 2021/22 mit Studierenden plant, widmet sich Migrationsgeschichten, da „Migration in der Geschichte“ ein zentrales Thema in der geschichtswissenschaftlichen Lehre im Sommersemester 2022 sein wird. In diesem Sommersemester sollen die Podcasts dann auch ausgerollt werden.

Im Sommersemester 2022 wird er auch andere Potentiale digital gestützter Arbeit ausloten und mit Studierenden rekonstruieren, wie sich moderne Gesellschaften in der Form von Museen und Sammlungen ihrer Einwanderungsgeschichte stellen. Insbesondere soll mit dem Haifa Center for German and European Studies, dessen Leiter Prof. Dr. Stefan Ihrig die sog. Jeckes-Sammlung (eine Sammlung zur Einwanderungsgeschichte deutscher Juden) einwerben konnte, in Videokonferenzen, an denen er mit der Sammlungsleiterin und Studierenden aus Haifa teilnehmen wird, an diesen Fragen gearbeitet werden.

Meike Hensel-Grobe ist Professorin für die Didaktik der Geschichte. Sie leitet seit 2016 das Lehr-Lern-Forschungslabor (LLF) in Geschichte, das in einem fachübergreifenden Projekt der Johannes Gutenberg-Universität im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung verortet ist. Ein Kernelement des LLF Geschichte ist die Projektlehre in der Geschichtslehrerbildung.

Die Beteiligung der Geschichtsdidaktik am ModeLL-M dient dem intensiven Austausch über didaktische Aspekte der Projektlehre und sowie der Vernetzung der Ansätze in den fachwissenschaftlichen und den lehramtsbezogenen Studiengängen. Sie eröffnet damit weitergehende Zukunftsperspektiven im Fach.

Jan Kusber ist Professor für Osteuropäische Geschichte mit einem Schwerpunkt in der Geschichte Russlands und Nordosteuropas von der Vormoderne bis zur Gegenwart an der JGU Mainz und seit 1992 regelmäßig lehrend unterwegs.

Im Rahmen von ModeLL-M möchte er mit Studierenden ein Projekt zur Präsentation russlanddeutscher Lebenswege erarbeiten, dass auf schon laufende Aktivitäten mit den Kooperationspartner:innen in Oldenburg und Delmenhorst aufsetzt. Am Ende soll eine kleine digitale Ausstellung zu Biographien von Russlanddeutschen in Rhein-Main stehen.

Andreas Linsenmann ist Neuzeithistoriker und Studienmanager mit Forschungs- und Lehrschwerpunkten in den Bereichen Religions- und Konfessionsgeschichte, Kulturgeschichte, deutsch-französische Beziehungen sowie regionale Zeitgeschichte.

Im Rahmen von ModeLL-M möchte er im Sommersemester 2022 ein Projekt mit dem Titel „Transnationales Mainz der 1960er Jahre“ umsetzen, in dem das Rahmenthema „Migration“ am Historischen Seminar auf einer lokalen Ebene untersucht werden soll. Ausgangsunkt sind Bildquellen des Stadtarchivs Mainz, Quellen des Universitätsarchivs der JGU sowie Bestände der Allgemeinen Zeitung. Diese sollen fachgerecht ausgewertet, kontextualisiert und mit übergreifenden Fragehorizonten verknüpft werden. Das Projekt zielt praxisorientiert auf Erarbeitung und Implementierung einer Präsentation ausgewählter Erträge in Form einer internetbasierten interaktiven Ausstellung.


Leitung
NN

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen
NN


Leitung
NN

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen
NN