Aus zwei mach eins – hybride Lehre alltagstauglich gestalten

Hybrides Symposium am 25. April 2022

Im Bereich der Hochschullehre vollziehen sich tiefgreifende Veränderungen. Der Einsatz digitaler Anwendungen und die damit einhergehende Transformation etablierter Lehrformate bieten große Chancen, es ergeben sich aber auch neue Fragen: Wie lässt sich (konventionelle) Präsenzlehre sinnvoll mit digitaler Lehre kombinieren? Wie lässt sich der klassische Hörsaal in den digitalen Raum erweitern?

Im Rahmen des Symposiums werden durch die Projektbeteiligten praktische Modelle für hybride Lehr-/Lernsettings vorgestellt. Drei Keynotes ordnen die Wirkung von Digitalität auf die Hochschullehre in den größeren Kontext des digitalen Wandels ein. Im Fokus steht dabei die Frage, welche Entwicklungsperspektiven sich für universitäre Bildung im 21. Jahrhundert ergeben.

Als Keynotespeaker konnten Adrian Daub (Stanford), Christian Kohls (Köln) und Hartmut Rosa (Jena) gewonnen werden.

Das Symposium ist eine inneruniversitäre Veranstaltung, die sich sich an alle Lehrenden und Studierenden der JGU richtet. Eine Anmeldung ist leider nicht mehr möglich.

Veranstaltungsort: Das Symposium findet im BioZentrum I (Hanns-Dieter-Hüsch-Weg 15), Raum: BZ 1/00.187 statt.


Vorläufiges Programm

09:30-09:45Prof. Dr. Stephan Jolie
Begrüßung und Einführung
TEIL 1: Rahmenbedingungen
09:45-10:15Prof. Dr. Hartmut Rosa (Friedrich-Schiller-Universität Jena)
Ohne Umwege direkt in die Barbarei? Eine kleine Phänomenologie der digitalen Hochschule und ihrer Folgen (Online-Vortrag)
10:15-10:45Prof. Dr. Christian Kohls (Technische Hochschule Köln)
Hybride Lernumgebungen auf dem Campus - Lernräume transformieren für eine digital angereicherte Präsenzlehre (Online-Vortrag)
10:45-11:15KAFFEEPAUSE MIT WALK AROUND
TEIL 2: Mainzer Modelle
11:15-11:45Prof. Dr. Jan Kusber (Historisches Seminar, Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte)
Modellbereich 1: Digital erweiterte Projektlehre
11:45-12:15Prof. Dr. Margarete Imhof (Psychologie in den Bildungswissenschaften),
Prof. Dr. Marius Harring (Institut für Erziehungswissenschaft, AG Schulforschung / Schulpädagogik)
Modellbereich 2: Feedback-Portfolio
12:15-12:45Jun.-Prof. Dr. med. Sven Schumann (Institut für Anatomie)
Modellbereich 3: Vorlesung.21
12:45-14:00MITTAGSPAUSE MIT WALK AROUND
TEIL 3: Ausblicke
14:00-14:30Prof. Dr. Adrian Daub (Universität Stanford)
Mit Silicon Valley lehren: Digitale Lehre zwischen Demokratisierung und Techno-Determinismus (Online-Vortrag)
14:30-15:10Bricks and clicks: Wie sieht die Zukunft universitärer Bildung aus?
Hybride Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Adrian Daub, Prof. Dr. Hartmut Rosa, Prof. Dr. Bettina Braun, María de Lourdes Ortega Méndez
ab 15:15Schlussworte

Prof. Dr. Hartmut Rosa (Universität Jena)

Ohne Umwege direkt in die Barbarei? Eine kleine Phänomenologie der digitalen Hochschule und ihrer Folgen

Die Covid-Pandemie hat für Studierende wie für Lehrende an den Hochschulen ganz neue und ungewohnte Interaktionsräume und Begegnungsformen geschaffen. Viele von ihnen haben sich als sehr effizient erwiesen - aber sie haben zugleich auch die Vorstellungen und Erfahrungen davon, was es heißt, zu studieren, was das Hochschulleben ausmacht, was eine Universitätsstadt ist, verändert, und das nicht immer zum Guten: Die vorliegenden Zahlen zur psychischen Gesundheit von Studierenden in der bzw. nach der Krise sind durchaus beunruhigend. Der Vortrag will systematisch eine kleine Phänomenologie dessen entwerfen, was die Differenz zwischen digitalem und 'präsentischem' Studieren genau ausmacht und dabei die 'Resonanzräume' vom Hörsaal über die Mensa bis zur Studentenkneipe in den Blick nehmen. Dabei soll es durchaus auch um die Frage gehen, wie sich die beiden Interaktionsformen am sinnvollsten kombinieren lassen.

Zur Person

© juergen-bauer.com

Hartmut Rosa ist seit 2005 Professor für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und seit 2013 Direktor des Max-Weber-Kollegs an der Universität Erfurt. Davor lehrte er u.a. an den Universitäten in Mannheim, Duisburg-Essen, Augsburg und an der New School for Social Research in New York, und er war Gastprofessor an der FMSH/EHESS in Paris. Zu seinen Veröffentlichungen zählen Identität und kulturelle Praxis (1998), Beschleunigung (2005), Resonanz (2016) und Unverfügbarkeit (2018).

 

 

 

 

 

 

 


Prof. Dr. Christian Kohls (TH Köln)

Hybride Lernumgebungen auf dem Campus - Lernräume transformieren für eine digital angereicherte Präsenzlehre

Der Austausch von Studierenden, Dozierenden und Wissenschaftlerinnen auf dem Campus hat eine besondere Qualität und spielt eine wichtige Rolle beim Hineinwachsen in eine Fachdisziplin. Daher wird das Studium vor Ort auch zukünftig ein wesentliches Merkmal akademischer Bildung sein. Gleichzeitig haben die Erfahrungen der letzten Semester gezeigt, dass die Wissensvermittlung und Organisation studentischer Aktivitäten auch sehr gut mit digitalen Medien funktionieren. Eine nahtlose Verknüpfung von digitalen Lehr- und Lernangeboten und dem Campusleben ist somit die große organisatorische Aufgabe der nächsten Jahre. Durch Digitalisierung kann das Studieren auf dem Campus gewinnen, wenn hybride Lernumgebungen geschaffen werden, mit denen neue Formen der Kollaboration, Forschung und Wissensvermittlung möglich werden. Beispiele sind Innovationsräume, Designstudios, Maker Spaces, Lernboxen, Videoräume und Lernkinos, Remote Labore, Arbeitscafés, Außenstandorte und Wissenschaftsboxen. Dieser Vortrag soll verdeutlichen, welche didaktischen Potentiale sich durch die digitale Transformation und Neugestaltung von Räumen auf dem Campus ergeben.

Zur Person

Christian Kohls ist seit 2014 an der TH Köln als Professor für Informatik, Soziotechnische Systeme und seit 2020 Dekan der Fakultät für Informatik und Ingenieurwissenschaften. Zuvor war er fünf Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wissensmedien im Projekt e-teaching.org aktiv sowie weitere fünf Jahre als Ecosystem and Research Manager für die Entwicklung digitaler Materialien bei einem internationalen Unternehmen in der Bildungsbranche tätig. Seine aktuellen Forschungsbereiche umfassen Lernen mit digitalen Medien, Gestaltung hybrider Lernräume, Innovationsmethoden und –werkzeuge, Entwurfsmuster und  Kollaborationsumgebungen. Neben der Umsetzung von Apps sowie der Grundlagenlehre zu Software Design beschäftigt sich Prof. Kohls mit der Erforschung von soziotechnischen Entwurfsmustern.

 

 


Prof. Dr. Adrian Daub (Universität Stanford)

Mit Silicon Valley lehren: Digitale Lehre zwischen Demokratisierung und Techno-Determinismus

Die letzten zwei Jahre waren gezwungenermaßen eine Hochzeit digitaler Lehre. Aber gerade in Silicon Valley, wo die Technologiebranche und die Universität schon lange nach gemeinsamen Lösungen suchen, fiel auf, wie wenig die verschiedenen Ventures, Start-Ups und Erfindungen der letzten Jahre Lehrende wirklich auf die digitale Lehre vorbereitet hatten. Die Technologie zum Zoomen, Streamen, Podcasten usw. existierte. Was fehlte – sowohl von Seiten der Technologisten als auch von der der technologiebegeisterten Universitätsleute – war ein Verständnis, was Lehre eigentlich bedeutet und in welchem Verhältnis sie zum Digitalen steht. Nun stellte sich die Frage, wie mit der potentiell radikalen Offenheit digitaler Plattformen in doch eher gemeinschaftlich organisierten Lernumfeldern umzugehen sei. Aber auch die verwandte Frage, wie offen diese Plattformen wirklich sind – wem sie offenstehen, wer sich ihrer gefahrlos bedienen kann. Die virtuelle Lehre, so zeigte sich, war weniger virtuell als die Benutzeroberfläche namens Campus.